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Bastian Baker über Heimweh und neue Melodien
Der Lausanner Singer-Songwriter erzählt, wie Reisen seinen Klang verändern und warum die Schweiz sein kreativer Anker bleibt.
31. July 2026 · Redaktion Showvelox

Im Proberaum ist es still, bevor die erste Melodie beginnt. Kein Applaus, kein Licht, kein Abstand zwischen Bühne und Publikum – nur Instrumente, Kabel und der Moment, in dem ein Gedanke eine musikalische Form sucht. Für Bastian Baker ist diese Ruhe kein Gegensatz zum Unterwegssein, sondern ein wichtiger Teil davon.
Der Waadtländer Singer-Songwriter kennt beide Seiten des Musikerlebens: die Energie voller Säle und die konzentrierte Arbeit an einem neuen Lied. Dazwischen liegen Reisen, Begegnungen und die immer wiederkehrende Frage, wo man eigentlich zu Hause ist. Heimweh gehört dabei nicht nur zu den schwierigen Momenten. Es kann auch ein Ausgangspunkt für neue Musik sein.
Zwischen unterwegs sein und ankommen
Tourneen verändern den Blick auf vertraute Orte. Wer regelmässig reist, erlebt Städte oft zunächst aus einer praktischen Perspektive: Hotel, Veranstaltungsort, Soundcheck, Konzert. Erst in den Zwischenräumen entsteht Raum für persönliche Eindrücke. Ein bestimmter Geruch, eine Landschaft hinter dem Zugfenster oder eine Nachricht aus der Heimat können dann stärker wirken als die grossen Momente auf der Bühne.
Heimweh beschreibt in diesem Zusammenhang nicht einfach den Wunsch, zurückzukehren. Es ist vielmehr ein Gefühl für die eigene Herkunft und für Menschen, die einem vertraut sind. Die Romandie bleibt dabei ein emotionaler Bezugspunkt. Ihre Landschaften, ihr Rhythmus und ihre sprachliche Eigenheit prägen den Blick auf die Welt – auch dann, wenn die Musik weit über die Westschweiz hinausgetragen wird.
Im Proberaum wird aus dem Erlebten kein Tagebuch, sondern eine offene Frage: Welche Melodie passt zu einem Gefühl, das sich noch nicht vollständig erklären lässt?
Songwriting beginnt mit Zuhören
Neue Lieder entstehen selten auf Knopfdruck. Oft beginnt der Prozess mit einem Fragment: einer Akkordfolge, einem Satz oder einer Stimmung, die zunächst keinen klaren Namen hat. Im ruhigen Proberaum kann dieses Fragment wachsen, ohne sofort funktionieren zu müssen. Wiederholung wird dabei nicht zur Routine, sondern zum Werkzeug. Eine Melodie verändert sich, bis sie ihre eigene Richtung findet.
Diese Arbeitsweise verlangt Geduld. Ein Song muss nicht jede Erfahrung erklären. Manchmal reicht es, eine Atmosphäre festzuhalten – das Gefühl nach der Rückkehr, die Unsicherheit vor einem neuen Abschnitt oder die Erinnerung an einen Ort, der sich während der Abwesenheit verändert hat. Gerade in dieser Offenheit können sich Zuhörerinnen und Zuhörer wiederfinden.
Mehrsprachigkeit als musikalischer Raum
Die Schweiz bringt unterschiedliche Sprachräume auf engem Raum zusammen. Für Künstlerinnen und Künstler aus der Romandie ist dieser Alltag zugleich selbstverständlich und besonders: Französisch ist in der eigenen Region verankert, während Begegnungen mit der Deutschschweiz einen weiteren kulturellen Resonanzraum öffnen.
Mehrsprachigkeit bedeutet in der Musik nicht nur, Wörter zu übersetzen. Jede Sprache trägt ihren eigenen Klang, ihre eigene Direktheit und ihren eigenen Umgang mit Nähe. Ein Gedanke kann auf Französisch anders schwingen als auf Deutsch, ohne dass eine Fassung die andere ersetzt. Die Verbindung zwischen Romandie und Deutschschweiz entsteht deshalb nicht durch Vereinheitlichung, sondern durch Neugier und gegenseitiges Zuhören.
- Die Romandie gibt den Liedern einen vertrauten kulturellen Ausgangspunkt.
- Das Unterwegssein erweitert den Blick und bringt neue Klangfarben in den Schreibprozess.
- Mehrsprachigkeit schafft Verbindungen, ohne regionale Unterschiede unsichtbar zu machen.
Die leisen Momente bleiben
Wenn die Instrumente im Proberaum wieder verstummen, ist ein Lied nicht unbedingt abgeschlossen. Manche Melodien brauchen Abstand, bevor sie ihre endgültige Form zeigen. Das passt zu einer Musik, die nicht nur vom grossen Auftritt lebt, sondern auch von den stillen Übergängen: vom Heimweg nach einer langen Reise, vom ersten Kaffee am vertrauten Ort und vom kurzen Innehalten vor dem nächsten Konzert.
Bastian Baker verbindet in diesem Spannungsfeld zwei Erfahrungen, die sich nicht ausschliessen: die Offenheit für neue Wege und die Bindung an die eigene Herkunft. Heimweh wird so zu einem Teil des kreativen Prozesses, Tourneen werden zu Beobachtungsreisen und der Proberaum zu einem Ort, an dem aus persönlichen Eindrücken neue Melodien entstehen.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft solcher Lieder: Sie erzählen nicht nur vom Ankommen, sondern auch vom Weitergehen. Zwischen Romandie und Deutschschweiz, zwischen vertrauter Sprache und neuen Begegnungen entsteht ein musikalischer Raum, in dem beides Platz hat.